Umgangsrecht: Fachanwalt für Familienrecht

Kinder

Umgangsrecht

Das Umgangsrecht ist vorrangig als das Recht des Kindes, auf die Wahrnehmung von Zeit mit einem Elternteil oder einem anderen gesetzlich hierzu Berechtigten aber auch Verpflichteten, wahrzunehmen.

Personenkreise die ein Umgangsrecht haben

Der rechtliche Vater hat ein Umgangsrecht mit seinem Kind. Der Lebensgefährte der Mutter, der nicht rechtlicher Vater des Kindes ist, aber längere Zeit mit dem Kind in häuslicher Gemeinschaft zusammengelebt hat und somit zu einer Bezugsperson geworden ist, hat ein Umgangsrecht mit dem Kind, wenn der Umgang dem Wohl des Kindes dient.

Fehlt es an beiden Voraussetzungen, ist der Mann also weder rechtlicher Vater noch eine Bezugsperson des Kindes, so kommt ein Umgangsrecht nur aus § 1686a BGB in Betracht. Dafür müssen die leibliche Vaterschaft des Antragstellers und sein ernsthaftes Interesse am Kind nachgewiesen werden. Der mutmaßliche leibliche Vater muss sich in engem zeitlichen Zusammenhang mit der Kenntnis von seiner möglichen Vaterschaft um eine Kontaktaufnahme mit dem Kind bemüht haben und sich zu dem Kind bekennen; ein ernsthaftes Interesse wird verneint, wenn sich der Vater erst sieben Jahre später um eine Kontaktaufnahme kümmert.

Weitere Voraussetzung für das Umgangsrecht aus § 1686a BGB ist, dass der Umgang dem Kindeswohl dient. Das wird verneint, wenn ernsthafte und erhebliche psychische Widerstände und Ängste der rechtlichen und sozialen Eltern gegenüber dem biologischen Vater bestehen und daher die Familie, in der das Kind lebt, durch das „Auftauchen“ des biologischen Vaters beeinträchtigt würde.

Die Regelung des Umgangs – einfach oder unlösbar?

Im Grunde ist die Regelung des Umgangs denkbar einfach: Beide Elternteile finden entsprechend der familiären Gewohnheiten und Termine Zeiträume, zu denen das gemeinsame Kind sich entweder bei dem einen Elternteil in der Obhut befindet oder eben bei dem anderen Elternteil. Am besten entspricht diese Vereinbarung dem Stundenplan, beziehungsweise Rhythmus des Kindes.

Hierzu braucht es weder eines Rechtsanwalts noch eines Jugendamtes und auch keines Richters. Meistens anlässlich einer Trennung gerät diese Aufgabe in ein zermürbendes Ungleichgewicht. Auslöser sind meistens nicht der Umgang oder die zur Verfügung stehende Zeit selbst, sondern die eintretenden Verlustängste oder anderweitige Ängste, die in hohem Maße als bedrohlich empfunden werden. Diese sind individuell verschieden und können, sofern sie herausgearbeitet werden, dennoch eine schnelle Einigung ermöglichen, sofern die richtigen Vereinbarungen getroffen werden.

Ob Sie hierbei einen Rechtsanwalt benötigen, müssen Sie selbst entscheiden. Es besteht allerdings der Irrglaube, dass unauffällig anderweitige Ziele durch gerichtliche Verfahren erreicht werden können.

Das Wechselmodell

Ein derzeit häufig verhandeltes, beispielhaftes Thema ist die Frage nach dem Wechselmodell. Die Idee hinter dem Wechselmodell ist folgende:

Unter einem Wechselmodell wird überwiegend eine gleichrangige Betreuung des Kindes durch beide Eltern, unter Beibehaltung der gemeinsamen Sorge verstanden. Dabei wechselt das Kind zwischen den Haushalten der Eltern hin und her. Der Wechselrhythmus kann ganz unterschiedlich sein: Am häufigsten sind wöchentliche oder zweiwöchentliche Wechsel des Kindes, bei hälftiger Aufteilung der Ferien. Es sind aber auch noch kleinteiligere Wechsel möglich, wie auch Wechsel in größeren Abständen. Ein (paritätisches) Wechselmodell liegt nur vor, wenn neben einer annährend gleichen zeitlichen Betreuung der Eltern auch die Verantwortung gleichmäßig aufgeteilt wird und beide Eltern für schulische, wie auch gesundheitliche Belange etc., verantwortlich sind.

Wird das Kind zwar von beiden Eltern annähernd gleichrangig betreut, teilen diese sich aber nicht die erzieherische Verantwortung für das Kind, sondern liegt hier ein Schwerpunkt bei einem Elternteil, kann nicht von einem Wechselmodell gesprochen werden. Der zeitliche Umfang der Betreuung muss zumindest fast hälftig sein, ein Betreuungsanteil von einem Drittel reicht nicht aus. Es kommt zudem auch darauf an, inwieweit der jeweilige Elternteil das Kind an den einzelnen Tagen vollständig betreut oder teilweise Betreuungsaufgaben wieder beim anderen Elternteil anfallen, weil das Kind beispielsweise erst am Morgen abgeholt oder abends wieder zurückgebracht wird.

Daneben gibt es auch die Möglichkeit, dass das Kind immer an einem Standort verbleibt und die Eltern es dort im Wechsel betreuen. Dieses Nestmodell kommt in der Praxis nur sehr selten vor. Es spielt allenfalls eine Rolle, wenn die Eltern zu Beginn einer Trennung noch beide in der Ehewohnung leben und sich die Betreuung des Kindes teilen. Spätestens mit Auszug eines Elternteils endet dieses Modell regelmäßig, da die wenigsten Eltern die finanziellen Mittel haben, mehrere Wohnungen zu unterhalten, und zudem ganz offensichtlich den Eltern der ständige Wechsel unter Mitnahme von Kleidung und sonstigen persönlichen Sachen zu mühsam erscheint. – Werden die Voraussetzungen für ein Wechselmodell nicht erfüllt, dann liegt ein klassisches Residenzmodell vor, bei dem das Kind seinen Lebensmittelpunkt ausschließlich bei einem Elternteil hat.

Kann das Wechselmodell auch gegen den Willen eines Elternteils beschlossen werden?

Es kommt darauf an. Das Familiengericht kann auf Antrag eines Elternteils, auch gegen den Willen des anderen Elternteils, ein sogenanntes paritätisches Wechselmodell, also die etwa hälftige Betreuung des Kindes durch beide Eltern, als Umgangsregelung anordnen, wenn die geteilte Betreuung durch beide Eltern im Vergleich mit anderen Betreuungsmodellen dem Kindeswohl im konkreten Fall am besten entspricht. Dies hat der Bundesgerichtshof mit einem jetzt veröffentlichten Beschluss vom 01.02.2017 entschieden (Az.: XII ZB 601/15).

Entscheidender Maßstab der Anordnung eines Umgangsrechts sei, neben den beiderseitigen Elternrechten, allerdings das Kindeswohl, das vom Gericht nach Lage des jeweiligen Einzelfalls zu prüfen sei, betonte der BGH. Das Wechselmodell sei demnach anzuordnen, wenn die geteilte Betreuung durch beide Eltern im Vergleich mit anderen Betreuungsmodellen dem Kindeswohl im konkreten Fall am besten entspricht. Dabei sei zu berücksichtigen, dass das Wechselmodell, gegenüber herkömmlichen Umgangsmodellen, höhere Anforderungen an die Eltern und das Kind stellt, das bei doppelter Residenz zwischen zwei Haushalten pendelt und sich auf zwei hauptsächliche Lebensumgebungen ein-, beziehungsweise umzustellen habe.

Das paritätische Wechselmodell setze zudem eine bestehende Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit der Eltern voraus. Dem Kindeswohl entspreche es dagegen regelmäßig nicht, ein Wechselmodell zu dem Zweck anzuordnen, diese Voraussetzungen erst herbeizuführen. Sei das Verhältnis der Eltern erheblich konfliktbelastet, so liege die auf ein paritätisches Wechselmodell gerichtete Anordnung in der Regel nicht im wohlverstandenen Interesse des Kindes. Wesentlicher Aspekt sei zudem, der vom Kind geäußerte Wille, dem mit steigendem Alter zunehmendes Gewicht beizumessen sei.

Das Residenzmodell

Das Residenzmodell regelt Fälle, in denen das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt überwiegen bei einem Elternteil hat. Der andere Elternteil hat sodann das Umgangsrecht in einem gewissen Turnus.

Der meist übliche Turnus wurde gerichtlich oftmals so protokolliert, dass an jedem zweiten Wochenende im Monat von freitags bis sonntags das Kind den Umgang mit dem anderen Elternteil haben durfte. Zusätzlich durfte noch ein Wochentag gewählt werden, an dem das Kind betreut werden durfte und zwar immer dann, wenn zuvor kein Umgangswochenende stattgefunden hatte.

Die Gerichte sind aber mittlerweile dazu übergegangen, eine flexiblere Zeit zu beschließen, die dem individuellen Rhythmus der Familie entspricht. Die Gestaltung der Umgangsvereinbarungen ist mittlerweile so unterschiedlich und vielfältig, wie es die Familien selbst sind.

Zu begrüßen ist, dass Vätern immer mehr Zeit mit ihren Kindern zugebilligt wird, sofern sie sich für diese Wahrnehmung als geeignet erweisen. Sollte dies nicht der Fall sein, weil beispielsweise eine Trennung von der Kindesmutter auch zu einer langen Trennung von den Kindern geführt hat, wird in der Regel mit konfliktregulierenden Maßnahmen gearbeitet, um eine Beziehung zwischen den Kindern und ihren Eltern in gesundem Maße wiederherzustellen.

Der Ablauf des Umgangsverfahrens

Vorwegzunehmen ist, dass bezüglich der Regelung von Kindschaftssachen der Beschleunigungsgrundsatz herrscht. Dies bedeutet, dass die Verfahren, dem Kindeswohl entsprechend, in möglichst kurzer Zeit zu verhandeln sind.

Davon ausgehend, dass das Mandat mit der Feststellung beginnt, dass eine gerichtliche Vorgehensweise die zielführendste Variante ist, dann kann grob von folgendem zeitlichen Ablauf ausgegangen werden: Nach Einreichung des Antrags vergehen meistens circa 3 Wochen, bis klar ist, wann welche Termine stattfinden werden. Hierzu gehören jeweils ein Gespräch, das mit einem Verfahrensbeistand (m / w) zu führen ist, der sich vor Ort einen Eindruck über die Lebensgewohnheiten der Beteiligten verschafft, mit dem Kind spricht und seine Stellungnahme an das Gericht abgibt. Ebenfalls ist ein Gespräch mit dem Jugendamt zu führen, sodann findet der Termin vor Gericht statt.

Die Gerichtsverhandlung dient zur Anhörung sämtlicher Beteiligter. Sollte das Kind angehört werden, findet dies in einem kindgerechten Rahmen statt. Die Gerichte sind hier geschult. Anlässlich des gerichtlichen Verfahrens ist auf eine Einigung zwischen den Beteiligten hinzuwirken. Gelingt eine solche nicht, wird das Gericht eine Entscheidung treffen, die es als dem Kindeswohl entsprechend erachtet.

Hier wird es sich auf die Vorträge der Rechtsanwälte, des Verfahrensbeistandes (m/w) des Jugendamtes, der Eltern selbst und des eigenen Eindrucks beziehen. Eine entsprechende Vorbereitung und Ordnung der Angelegenheit ist daher unerlässlich.